Besuch von Sir Michael Francis Atiyah

Sir Michael Francis AtiyahSir Michael Francis Atiyah

Am 24. September hielt Dr. Sir Michael Atiyah, ein englischer Mathematiker und Preisträger der Fields-Medaille (1966), einen Vortrag mit dem Titel „Beauty in Mathematics“ bei uns am Englischen Institut. Es gab nicht viele, zumindest nicht in unsere Stufe, die mit diesem Titel etwas anfangen konnten. Da unser Abitur vor der Tür steht und sich viele über Mathe aufregen, ist es nicht leicht zu sagen, dass Mathe schön ist. Doch die Leidenschaft hinter den Worten von Sir Michael Atiyah konnte man spüren und das weckte unser Interesse. Neben etlichen Zitaten bekannter Mathematiker präsentierte er uns folgendes von Hermann Weyl: „My work has always tried to unite the true with the beautiful and when I had to choose one or the other, I usually chose the beautiful.”

Schönheit über Wahrheit? Und das in der Mathematik? Aber was ist überhaupt Schönheit in der Mathematik? Folgende Aspekte mathematischer Schönheit arbeitete Atiyah heraus:

  • Elegance
  • Clarity
  • Simplicity (controlling complexity)
  • Originality
  • Depth
  • Importance

Aber kann die Schönheit in der Mathematik über Wahrheit siegen? Dazu erzählte Atiyah folgende Geschichte: Weyl hatte 1918 eine Theorie entwickelt, die Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie mit Maxwells Elektromagnetismus verbinden sollte. Einstein als Referee wollte die Arbeit zurückweisen, weil die Theorie physikalisch falsch sei, Weyl bestand auf ihrer Veröffentlichung wegen ihrer mathematischen Schönheit. Sie wurde schließlich zusammen mit Einsteins ablehnendem Gutachten als Appendix gedruckt. Die Theorie war dann zwar tatsächlich physikalisch falsch, die von Weyl entwickelten Grundlagen der Eichinvarianz fanden aber später Eingang in die Entwicklung der Quantenfeldtheorie.

Im anschließenden Austausch wurde Sir Atiyah gefragt, worin er die Ursache dafür sehe, dass so viele Schüler große Probleme mit der Mathematik hätten und wie es denn vor diesem Hintergrund gelingen könne, in ihr so etwas wie Schönheit zu erkennen. In seiner Antwort gab Atiyah zu bedenken, dass die Mathematik schon eine komplexe und anspruchsvolle Angelegenheit sei, dass sie viele Probleme bereithalte, durch die man sich durchkämpfen („struggle“) müsse, dass dieser Kampf aber durch wirkliche und tiefe Erkenntnis belohnt würde. In diesem Zusammenhang brach Atiyah eine Lanze für den Wert des Fehlers: Irrwege und Fehler gehörten in der Mathematik zum Alltag. Allein, es gelte, die Fehler zu analysieren und aus ihnen zu lernen, wörtlich: „Every mistake is a lesson in itself.“ Wie wahr…!

Sophie Campbell (K2),
Hartmut Volkert