Der gemeine Delphin

Forschungsexpedition auf die Azoren

Normalerweise gehe ich in die Klasse 9b, aber vom 22. Juni bis zum 5. Juli 2014 habe ich an einer richtigen Forschungsexpedition teilgenommen. Diese Expedition wurde von der Stiftung des Instituts für Jugendmanagement, kurz IJM, angeboten. Dort habe ich mich für die Expedition auf die Azoren mit dem Forschungsschwerpunkt Wal-/Delfinforschung und Vulkanismus beworben.

Der Schichtvulkan Pico ist mit 2351 Metern der höchste Berg Portugals.

Als ich die Zusage bekam, begann für mich die richtige Arbeit. Ich musste einen Erste Hilfe Kurs absolvieren, schnorcheln üben und das Rettungsschwimmabzeichen Silber machen. Am 22. Juni traf sich dann die Forschergruppe, die aus elf- bis 17-jährigen Jugendlichen aus ganz Deutschland und der Schweiz bestand, am Heidelberger Hauptbahnhof. Von dort ging es dann erst mal zum Hauptsitz der IJM hier in Heidelberg. Dort haben wir grob den Ablauf der Expedition durchgesprochen.

Helen Lokowandt auf dem Pico

Am Nachmittag sind wir zum Frankfurter Flughafen gefahren und von dort weiter nach Lissabon geflogen. In Lissabon hatten wir von Mitternacht bis sieben Uhr morgens Zeit, bis zu unserem Anschlussflug auf die Azoren. Diese Zeit haben wir intensiv genutzt, indem wir unsere Zielsetzungen zu den verschiedenen Themenbereichen Wale/Delfine, Flora und Fauna, Wirtschaft und Infrastruktur, Mensch/Kultur/Sprache und Klima/Geologie/Vulkane festlegten. Die verbliebenen zwei Stunden haben wir versucht zu schlafen.

Als wir dann endlich mit der Maschine aus Lissabon auf der Azoreninsel Fajal gelandet sind, waren wir alle glücklich, zumindest solange bis wir erfahren haben, dass ein Koffer auf dem Weg von Frankfurt nach Fajal verloren gegangen war.. Zum Glück kam dieser Koffer mit einer Woche Verspätung auch zu uns. Auf Fajal war unsere Reise noch nicht zu Ende: Wir mussten von dort mit dem Boot weiter fahren auf die Insel Pico, dem Ziel unserer Expedition. Auf Pico sind wir dann in unsere Jugendherberge gefahren und haben uns schlafen gelegt, weil wir die nächsten zwei Wochen kaum Schlaf bekommen würden.

Pico ist eine Vulkaninsel. Der gleichnamige Schichtvulkan ist mit 2351 Metern der höchste Berg Portugals. Die nächsten Tage wurden die 26 Jugendlichen in täglich wechselnde Gruppen eingeteilt, um an den oben genannten Themen zu arbeiten. Zusätzlich gab es ein Medienteam, dass Facebook-Berichte schrieb und einen Dokumentarfilm drehte. Die Hälfte der Jugendlichen forschte tagsüber auf dem Land, die andere Hälfte auf dem Wasser, sodass man dank der wechselnden Gruppen jeden zweiten Tag auf dem Wasser verbrachte. An Land haben wir die einheimische Bevölkerung in Umfragen befragt, um beispielsweise zu erfahren, ob der Vulkan Pico noch aktiv ist oder welcher der häufigste Vorname der Insel ist. Außerdem hat das Flora- und Fauna-Team Tier- und Pflanzenkataloge erstellt und das Klima-Team hat Wetterdaten gesammelt. Auch auf dem Wasser waren wir nicht untätig. Dort haben wir Sichtungsprotokolle von sämtlichen Wal- und Delfinsichtungen erstellt. Außerdem haben wir Bilder von den Pottwalfluken, das sind die Schwanzflossen der Pottwale, gemacht, um diese mit den Fotos aus den Vorjahren zu vergleichen und heraus zu finden, ob die Pottwale wiederkommen. Wir haben auch mehrere Übereinstimmungen gefunden! Wir konnten dort sehr viele verschiedene Walarten sehen, beispielsweise die sehr großen Finnwale, ihre etwas „kleineren" Verwandten die Seiwale, Buckelwale, Pottwale, die seltenen Schnabelwale, Grindwale, gemeine Delfine, welche die häufigsten Delfine sind, Fleckendelfine, Rundkopf- oder Rissodelfine, große Tümmler, Streifendelfine und noch mehr. Außerdem konnten wir Mondfische sehen und eine der giftigsten Quallen der Welt, die portugiesische Galeere. Natürlich kam neben der ganzen Arbeit der Spaß nicht zu kurz: Wir sind mehrfach mit gemeinen Delfinen und Fleckendelfinen geschwommen. Es war wunderschön, diesen eleganten und atemberaubenden Tieren so nahe zu sein.

Leider war abends die Arbeit noch nicht vorbei. So mussten wir nach dem Abendessen unsere tagsüber gesammelten Daten auswerten, interpretieren, vergleichen und bewerten. Unsere Ergebnisse haben wir jede Nacht, meist gegen Mitternacht, unseren Mitforschern präsentiert. Danach konnten wir endlich schlafen. Unsere gesamten Ergebnisse haben wir in einer Dokumentation zusammen gestellt, von welcher sowohl das E.I. als auch das Alfred Wegener Institut in Bremerhaven ein Exemplar bekommen.

Nach zwei Wochen mussten wir leider die Insel Pico wieder verlassen und zurück nach Deutschland fliegen.

Helen Lokowandt