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Hilfe - mein Kind leidet an Eltern- und Lehrertaubheit! 

 

3 Affen

Ihr Kind ist gesund, hat ein ausgezeichnetes Gehör
und doch gibt es viele Situationen absoluter Eltern- und Lehrertaubheit.

Was ist passiert?

Kinder lernen sehr schnell und ordnen ihre Umwelt
und Erfahrungen für sich ein.

Kleine Situationen, die Ihnen vielleicht völlig belanglos erscheinen
dienen den Kindern um die eigenen Grenzen auszuprobieren
und zu erfahren.

Sie erwarten Besuch und sagen Ihrem Kind,
dass es bitte sein Zimmer aufräumen solle. Für Ihr Kind
ist ein aufgeräumtes Zimmer wahrscheinlich weniger interessant, als
noch eine Stunde weiter an der neuen Burg zu bauen. Wenn Sie hier
nicht intervenieren hat Ihr Kind gelernt, dass es nicht auf Ihr Wort hören
muss und wird bei allen zukünftigen Anweisungen wieder versuchen, sein
so schnell gelerntes Muster anzuwenden. Gerade wenn die Zeit drängt und
wir z.B. noch schnell einkaufen wollen bevor die Großeltern vor der Tür
stehen, wird vielleicht eine Drohung ausgesprochen: „ Wenn nicht in 10
Minuten aufgeräumt ist darfst du nachher nicht mit Kuchen essen." Alles ist
bereit, der Kaffee gekocht, der Kuchen sieht verlockend aus und das
Kinderzimmer ist noch in einem genauso chaotischen Zustand.
Soll Ihr Kind jetzt wirklich keine Himbeertorte bekommen? Oh je, das wird
ein riesiges Theater geben und die Großeltern werden sich ihren Teil denken
und die elterliche Erziehungskompetenz in Frage stellen.
Einmal inkonsequent sein, das wird schon nichts schaden. Also sagen Sie
Ihrem Sprössling, dass es beim nächsten Mal wirklich keinen Kuchen
bekommt und legen ihm dabei ein leckeres Stück Himbeertorte auf den
Teller. Nun stellt sich die Frage, warum es beim nächsten Mal klappen sollte?

Konsequenz und das Einhalten von Grenzen sind im ersten Schritt anstrengend
und erfordern gute Nerven. Mittelfristig ersparen Sie sich
aber ständig wiederkehrende Diskussionen und was dabei noch wichtiger ist,
Sie vermitteln Ihrem Kind Sicherheit und Vertrauen, da es sich auf Ihr Wort
verlassen kann. Kinder suchen und brauchen Grenzen um sich selbst in
der Welt zu erfahren und einordnen zu können. Stellen Sie sich vor, wie
hilflos sich ein 6- jähriges Kind fühlt, das erfährt, dass das Wort der geliebten,
als sehr wissend erlebten Eltern, nicht zählt.

Ein anderer Grund warum die Ohren vieler Kinder auf Durchzug gestellt sind,
ist eine resignative Haltung.

 

 Tischtennis

Lebhafte Kinder werden in der Schule und im Elternhaus vielleicht immer
wieder ermahnt leiser zu sein. Mit bester Absicht rutschen uns
Erwachsenen Verallgemeinerungen heraus. „ Immer musst du mit deinem
Rumgehüpfe deinen Bruder wecken.", " Durch dein Gezappele kann sich
keiner in der Klasse konzentrieren...". Kinder akzeptieren schnell ein
negatives Selbstbild und resignieren dann möglicherweise.
"Ich bin halt so laut und störe immer andere."
Wer mit dieser Selbsteinschätzung lebt wird auf die Forderung
endlich leise zu sein nicht mehr reagieren. Hilfreich sind Formulierungen,
die sich auf die aktuelle Situation beziehen." Bitte bleibe jetzt auf deinem
Platz sitzen, damit du und deine Nachbarin in Ruhe das Mathearbeitsblatt
bearbeiten können", oder „Was hilft dir, damit du etwas ruhiger wirst
und du dich auf deinen Text konzentrieren kannst? Möchtest du einmal durch den Schulhof rennen?"
Kindern einen sicheren Rahmen zu geben, in dem sie sich selbst erfahren
können, Grenzen erleben und einen positives Selbstbild entwickeln ist eine
verantwortungsvolle und zugleich wunderschöne Aufgabe.
Iboja Matheis

 

Auf dem Weg zum Schulkind - Thema des Monats Mai

Schüler

Kinder, die bis zum 30. September des laufenden Kalenderjahres das 6.Lebensjahr vollenden sind in Baden- Württemberg schulpflichtig. Kinder, die bis zum 30.Juni des darauffolgenden Kalenderjahres das 6. Lebensjahr vollenden und von den Eltern in der Grundschule angemeldet werden, können ebenfalls in einer Schule aufgenommen werden. Hier ist allerdings Voraussetzung, dass eine Schulfähigkeit von der Schulleitung
festgestellt wird – gegebenenfalls auf der Grundlage eines pädagogisch –
psychologischen Gutachtens.
Viele Eltern machen von der Einschulung ihres Kindes als „Kannkind" Gebrauch. Häufig ist die Begründung: Die Erzieherinnen im Kindergarten sagen, dass sich das Kind im letzten Kindergartenjahr langweilen könnte...der Kinderarzt hat gesagt, wir sollen das Kind einschulen .... mein Kind weiß schon so viel oder interessiert für Vieles....
Eltern wissen manchmal nicht, was sie machen sollen, sind verunsichert über verschiedene Ratschläge der Personenkreise, die ihre Kinder auch kennen bzw. Zeit mit ihnen verbringen. Sehr oft basiert die Empfehlung an Eltern ein Kind einzuschulen rein auf dem kognitiven Entwicklungstand. Hier ist Vorsicht geboten, da die kognitive Reife für einen gelingenden Schulstart nicht immer ausreicht. Die soziale Reife eines Kindes ist maßgeblich dafür, dass zum einen ein Kind sein intellektuelles Potenzial ausschöpfen kann zum anderen aber auch, um sich in der Schule wohlzufühlen.
Aber letztendlich kennt keiner sein Kind so gut wie man selbst als Eltern und deshalb sollte man sich ruhig auf sich selbst verlassen. Manchmal hilft es sein Augenmerk auf ganz „normale" Dinge des Alltags zu richten, um zu sehen, ob das Kind schulreif ist und sich somit die Entscheidung für den richtigen Einschulungszeitpunkt zu erleichtern. Manchmal kann man sein Kind auch unterstützen, indem man es ruhig ein bisschen fordert in den alltäglichen Dingen. Nicht selten neigt man ja dazu dem Kind Vieles abzunehmen oder es gar zu verwöhnen bei gleichzeitigem Wunsch einer baldigen Einschulung. Oft werden Kinder auch nur kognitiv gefördert, weil man vielleicht denkt, Förderung bzw. Forderung in allen anderen Bereichen des Lebens ist nicht so wichtig.

Eine gewisse „Lebensreife" für den Eintritt ins Schulleben wird manchmal unterschätzt. Vorschulkinder beginnen in vielen Dingen ihren eigenen Geschmack zu entwickeln. Sie möchten bestimmen welche Schuhe sie anziehen oder welches Bild an die Wand gehängt werden soll. Jede Entscheidung eines Kindes, die die Eltern annehmen, stärkt das Selbstbewusstsein, was nicht heißt, dass ein Kind alles entscheiden sollte. Wenn Eltern auch ihre eigene Meinung kundtun, erkennt das Kind, dass es mehrere Einstelllungen zu einer Sache geben kann. Bis zur Einschulung sollte ein Kind im Alltag wissen, was es will. Es sollte warten können bis ein Wunsch erfüllt wird, allerdings unter Erklärung warum es so ist. Ein Nein ohne Begründung zählt nicht. Das Kind muss das Gefühl haben,
dass seine Wünsche ernst genommen werden unabhängig von der Erfüllung selbiger.

Vorschulkinder möchten ihren Radius erweitern. Um ihre Wünsche umsetzen zu können, brauchen sie Selbstvertrauen und müssen sich von den Eltern ein bisschen abnabeln können. Sie müssen tägliche Routinen wie Zähneputzen, sich an und ausziehen, auf Toilette gehen und Schuhe binden selbstständig erledigen können. Nur wer alltägliche Dinge eigenständig erledigen kann, fühlt sich in einer neuen Umgebung einigermaßen sicher. Nur mit einem gesunden Selbstvertrauen kann ein Kind in einer Gruppe bestehen und sich als Neuankömmling wohlfühlen und integrieren.


Regeln bestimmen das Zusammenleben. Zunächst erlebt und erlernt ein Kind Regeln in der Familie. In der Schule werden diese Regeln auf größere Gruppen ausgeweitet, an die sich ALLE halten müssen. Sie lernen Rücksicht zu nehmen sowie die Wünsche und Bedürfnisse anderer Kinder zu erkennen, und ihre eigenen zurückzustellen. Hier sind Eltern von Einzelkindern besonders gefordert. Geschwisterkinder machen meist recht schnell die Erfahrung, dass man auch mal warten muss. Kinder sollten vor Schuleintritt die Erfahrung gemacht haben, dass ihre Wünsche auch mal zurückgestellt werden. Auf Wünsche zu verzichten bedeutet zunächst mal eine Enttäuschung, die aber gar nicht so schlimm erlebt wird, da bald wieder viele andere Dinge geschehen, die ebenso reizvoll sind. Das ist die sogenannte Frustrationstoleranz, die jeder Mensch sein Leben lang braucht. Deshalb ist es lohnenswert, dass ein Kind im Schonraum Familie lernt mit Enttäuschungen umzugehen.

Für den Schuleintritt ist es auch wichtig Körper und Sinne zu trainieren. Durch Bewegungserfahrungen lernen die Kinder Körper, Arme und Beine bewusst und gezielt einzusetzen. Vorzugsweise machen sie diese Erfahrungen draußen. Kinder lieben diese außerhäuslichen Aktivitäten. Sie sind für sie eine gute Vorerfahrung für abstrakte Aufgaben in der Schule, wenn sie beispielsweise bei einer Sachaufgabe in Mathematik die Geschwindigkeit eines Zuges berechnen sollen, ist es hilfreich wenn sie beim Laufen oder Radfahren schon mal Erfahrungen mit Geschwindigkeiten gemacht haben. Die Bewegungen der Finger bezeichnet man als Feinmotorik. Die Finger gezielt einzusetzen ist wichtig für alle Alltagsaufgaben. Die Kinder lernen dies als Baby und mit jeder „Anfassaufgabe" werden diese Fertigkeiten verfeinert. Wenn die Kinder hier ausreichend gefordert werden, fällt ihnen in der Schule das Schreiben, Basteln, Malen und Handwerken wesentlich leichter, was sich in letzter Konsequenz auch positiv in dem ein oder anderen Beruf auswirken wird.

Um sich zu einem selbstbewussten Menschen zu entwickeln müssen die Kinder irgendwann den Schonraum Familie sukzessiv verlassen. Dabei braucht es die Unterstützung der Eltern. Eine recht wichtige Kompetenz ist für den Schuleintritt die Konzentrationsfähigkeit. Sie ist eine der wichtigsten Grundlage für den Erfolg in der Schule. Während das eine Kind die Welt um sich vergessen kann beim Spielen, schweift ein anderes schnell durch einen kleinen Reiz von außen ab. Ein Vorschulkind sollte eine Aufgabe oder ein Spiel zu Ende bringen können. Kleinere Aufgaben im Alltag fördern das Verantwortungsbewusstsein, was ein Kind in der Schule dann brauchen wird, um sich beispielsweise um seinen Schulsachen zu kümmern. Auch Spiele zur Ausdauer und Anstrengungsbereitschaft sind im Vorschulalter viel wichtiger als das Schulwissen an sich. Kein Lehrer erwartet, dass ein Kind lesen, schreiben und rechnen kann. Aber der Schulanfang wird den Kindern leichter fallen, wenn sie mit den Fähigkeiten ausgestattet sind, damit sie erfolgreich lernen können.

 

Fertig mit der Grundschule - was nun?

Mit Freude in eine neue Schule

Nach den Weihnachtsferien beginnt für Lehrer, Eltern und Kinder der 4.
Klasse die Zeit sich intensiv mit dem Übergang in die weiterführenden
Schulen zu beschäftigen. Gedanklich beginnen sie meist schon in der
3. Klasse damit, aber „ernst" wird es
erst zum Ende des ersten Schulhalbjahres, sprich ab Januar/ Februar.

Diese Entscheidung ist nicht einfach, denn das Kind als Persönlichkeit in seiner Entwicklung, seinen Begabungen, seinen Leistungen und Potenzialen soll dabei berücksichtigt werden.

Bei der Grundschulempfehlung geht es darum, jedem Kind für die nächste
Zeit die Schulart zu empfehlen, die ihm die optimale Förderung geben kann,
die Förderung,  die seinem derzeitigen Entwicklungs- und Begabungsstand
entspricht und weder über- noch unterfordert.

Seit 2011 entscheiden die Eltern in eigener Verantwortung welche Schule
ihr Kind nach der Grundschule besuchen soll. Darin werden sie durch eine
regelmäßige Beratung der Grundschule von Anfang an unterstützt. Diese
beruht auf einer differenzierten kontinuierlichen Beobachtung des Kindes
hinsichtlich seiner Lern- und Leistungsentwicklung, seiner Lern- und
Arbeitshaltung, seiner Lernwege, seiner Stärken und Lernpräferenzen und
seiner Potenziale.

Die Handlungskompetenz eines Kindes entwickelt sich durch das
Zusammenwirken der vier verschiedenen Kompetenzfelder  "fachliche -
methodische - soziale - personale Kompetenz".
Die Grundschulempfehlung entspricht einer pädagogischen Gesamtwertung
der vom Kind erbrachten Leistungen in allen Kompetenzfeldern.

Die Klassenkonferenz entscheidet bis Ende Februar über
die Grundschulempfehlung eines jeden Kindes. Diese erhalten die Eltern
dann schriftlich. Vorher findet ein ausgiebiges Beratungsgespräch mit den Eltern
und gegebenenfalls auch den Kindern statt. Hier kommt die Einschätzung der
Schule für einen geeigneten schulischen Anschluss nach der Grundschule zum
Ausdruck.
Wünschen Eltern sich eine weitere Entscheidungshilfe zum Übergang, so
können sie im Rahmen des besonderen Beratungsverfahrens zusätzlich eine
besonders qualifizierte Beratungslehrkraft hinzuziehen.

In vielen Familien ist dieser Übergang nicht einer auf eine weiterführende
Schule,  sondern ein Übertritt auf das Gymnasium. Das wünschen, erhoffen
oder gar erwarten die meisten Eltern. Kinder werden deshalb häufig recht früh
mit zusätzlichen außerschulischen Maßnahmen zu diesem Ziel gedrängt.

Leider sieht das Schulsystem eine frühe Aufteilung vor. Die Weichen werden
mit ca 9 Jahren gestellt. Wenn Kinder in dem frühen Alter einem hohen
Leistungsdruck ausgesetzt sind, kann dieser u.U. sie zum einen um einen Teil
ihrer Kindheit bringen und zum anderen auch die Leistung eines Kindes
immens  hemmen. Betroffene Kinder entwickeln Ängste die Erwartungen
nicht erfüllen zu können, was die Gehirn – und Lernleistung nicht nur blockiert,
sondern auch auf lange Sicht wird Schule und Lernen dauerhaft negativ
besetzt. Das kann zu sich zu einem viel größeren Problem entwickeln als die
Tatsache, dass das Kind  nicht direkt nach der 4. Klasse das Gymnasium besucht.

Das deutsche Schulsystem selbst in seiner
dreigliedrigen Form ist durchlässiger als viele Eltern glauben.


http://www.kultusportal-bw.de/,Lde/Bildungswege+auf+einen+Blick?QUERYSTRING=Bildungswege+in+baden+W%C3%BCrttemberg

 

Wenn das Kind ein Spätzünder ist oder aus anderen Gründen sein
Leistungspotenzial während seiner Grundschulzeit nicht ausschöpfen konnte,
gibt es von anderen Schulformen vielleicht nicht immer leichte, aber gangbare
Wege, um zum Abitur zu gelangen und zu studieren. Die Schullaufbahn eines
Kindes wird nicht mit dem Zeugnis der Grundschule entschieden. Es gibt einen beachtlichen Anteil an Schülern,  bei denen „der Knoten erst später platzt"
und die trotzdem den Weg zum Abitur gehen können. Lieber zuerst die
Schulform wählen, die ein Kind bewältigen kann.
Nichts ist schlimmer, wenn ein Kind frustriert und demotiviert eine Schule
verlassen muss.

Die Aussagekraft von Noten bzw sie ausschließlich als Basis für die Schulent-
scheidung  zu nehmen ist sowieso umstritten, egal wer entscheidet. Ganz
wichtig ist die ganzheitliche Betrachtung des Schülers: Arbeits – und
Sozialverhalten, Ausdauer, Konzentration, Selbstständigkeit, Lernfreude –
ist das alles vorhanden auch ohne Nachhilfe oder den Zeigefinger der Eltern??

Das Wichtigste ist aber, dass Eltern hinter ihren Kindern stehen, egal was für
Leistungen sie in der Lage sind zu erbringen.
Manchmal reichen Gelassenheit, Vertrauen in sein Kind, nicht zu früh zu viel
Ehrgeiz, Lob, Aufmerksamkeit und Interesse für die kindlichen Belange aus,
um die gewünschten Ziele für sich und seine Kinder zu erreichen.

Angelika Lorenz 

  

Freunde

 

Freunde      

„Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgendetwas kennenzulernen. Sie kaufen alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr..".

So erklärt der Fuchs im „ Kleinen Prinzen" von Saint-Exupéry die Krise der
Freundschaft.

Freunde haben, Freunde finden, Menschen auf die wir uns verlassen
können, die uns in freudigen Zeiten, während Veränderungen und in
schwierigen Lebenslagen begleiten gehört für viele Menschen zu einem
glücklichen Lebensentwurf.

Wir erinnern uns meist gerne an die beste Freundin oder den besten
Freund der Grundschulzeit, die vielleicht auch heute noch eine wichtige Rolle
in unserem Leben spielen.

Kinder beginnen bereits im Kindergarten ihre Freundschaftsfähigkeit
zu entwickeln. In der Schule wird dieser Lernprozess fortgesetzt und stellt
auch eine wichtige Basis für das schulische Lernen dar. Mit einer Freundin
oder einem Freund in der Nähe fühlen sich die Kinder sicherer und akzeptierter.
Sie trauen sich eher an unbekannte, vielleicht als schwierig empfunden
Aufgaben heran und können sich vertrauensvoller auf neue Situationen
einlassen.

Der Wunsch vieler Eltern, ihr Kind möge schon bald den lebenslangen
besten Freund finden, ist daher gut nachzuvollziehen.

Der Freundschaftsbegriff wird im Alltag sehr inflationär verwendet,
es gibt eine Zeitschrift „Freundin", unsere facebook-Kontakte nennen wir
Freunde, doch wie entwickelt sich die tatsächliche Freundschaftsfähigkeit
von Kindern?
Wie unterscheiden sich Kindergartenfreundschaften von Jugendfreundschaften
und was ist wichtig über die Entwicklung der Freundschaftsfähigkeit von
Kindern zu wissen, um sie nicht mit unseren eigenen, erwachsenen
Vorstellungen von Freundschaft zu überfordern?

 

 Freundinnen machen alles gemeinsam

Ein wesentliches Merkmal von Freundschaften ist die beidseitig freiwillig
eingegangene, positive Beziehung zwischen zwei Menschen.

Freundschaften im Kindergarten und Grundschulalter werden jedoch häufig
von Eltern angebahnt, da Termine und weite Wege noch nicht alleine
organisiert werden können.

Befreundete Mütter sind sehr froh, wenn ihre Sprösslinge ebenfalls
freundschaftliche Bande knüpfen. Wenn es gelingt sind alle zufrieden, wenn
nicht, erkennen wir, dass Freundschaft wirklich auf Freiwilligkeit basiert und
die Mütter verlagern ihre Treffen lieber in die kinderfreien Abendstunden.

Kinderfreundschaften und der Austausch unter Gleichaltrigen geben Jungen
und Mädchen die Möglichkeit ihre sozialen und kognitiven Fähigkeiten weiter
zu entwickeln. Kinder lernen im gemeinsamen Spiel mit komplexen
Situationen und Gefühlen umzugehen, Probleme eigenständig zu lösen,
Kompromisse zu schließen und gehen so erste Schritte, um später als
Jugendliche und Erwachsene positive Beziehungen aufbauen und pflegen
zu können.
(Aus: Theorie und Praxis der Sozialpädagogik (TPS) Heft 4. Die Bedeutung von Kinderfreundschaft und Kinderstreit für die Identitätsentwicklung)

Der Psychologe Robert Selman untersucht seit den 80er Jahren die Entwicklung
der Freundschaftsfähigkeit von Kindern und teilte sie in Stufen ein:

Freundinnen

Spiegelfreundschaften

Für Kindergartenkinder und zu Beginn der Grundschulzeitsind Freunde vor
allem Spielkameraden.
Ein Freund sollte nett sein und die selben Spiele bevorzugen. Hierbei steht das
eigene Bedürfnis im Mittelpunkt. Diese Beziehungsstufe wird auch als
Spiegelfreundschaft bezeichnet, da sich Kinder besonders wohl mit dem
eigenen „Spiegelbild" fühlen und noch nicht die Andersartigkeit und den
Austausch mit neuen Impulsen in der Freundschaft suchen.

Dieser Entwicklungsschritt ist wichtig und richtig. Die kindliche Egozentrik
sollte uns Erwachsene nicht erschrecken, unsere Kinder sind völlig
in Ordnung und werden auch keine egoistischen Erwachsenen, nur wir sollten
versuchen, Kinder nicht mit unseren ja bereits entwickelten
Beziehungsfähigkeit moralisch zu bewerten. Kinder sind keine kleine
Erwachsenen und haben ein Recht auf ihre ganz individuelle Entwicklung
und Erfahrung, die es ihnen ja gerade erst ermöglicht ein Mensch zu werden,
auf den sich andere verlassen können.

Schönwetterkooperation

Ab der der 3./4. Klasse bemerkt man eine Veränderung
in der Qualität von kindlichen Freundschaften. Die Kinder lernen
Freundschaften immer deutlicher als wechselseitige Beziehung kennen,
bei der es neben gemeinsamen Aktivitäten jetzt auch vermehrt um
Unterstützung in schwierigen Situationen geht. Der Vertrauensaspekt in
Freundschaften wird nun immer zentraler. Die verschiedenen Perspektiven,
Wünsche und Absichten können erkannt werden, aber noch nicht mit einem
gesicherten Aushandlungsprozess in Übereinstimmung gebracht werden.
Gibt es einen Streit kann die Freundschaft schnell beendet werden, hat sich
der Konflikt gelöst wird die Beziehung wieder hergestellt
(„SchönwetterKooperation, Selman).

Verschiedene Autoren weisen darauf hin, dass Mädchen engere Beziehungen
zu ihren Freundinnen aufbauen als Jungen, die eher kameradschaftliche
Beziehungen unterhalten. Bei den Jungen stehen gemeinsame Aktivitäten
häufig im Vordergrund, während Mädchen die emotionale Bindung betonen
und viel Wert auf Vertrauen und Unterstützung legen (Kolip 1993).

Der Erkenntnisgewinn am Ende dieser Entwicklungsstufe ist, dass Meinungsverschiedenheiten unumgänglich sind, da jeder Partner eine
eigene Persönlichkeit darstellt.

Ein Freund muss nun nicht mehr das Abbild meiner selbst sein und dennoch
kann ein tiefes Vertrauen wachsen.

In diesem Sinne können wir den Kindern ihre Selbstbezogenheit als Schritt
zugestehen, da erst durch die Erfahrung des Ichs in seinen verschiedenen
Facetten, das „Du" erkannt, geschätzt und geliebt werden kann.

 

Iboja Matheis

 

(Ent)spannende Weihnachstzeit

Adventskranz      

Fast alle Kinder in unserem Kulturkreis, ganz unabhängig von der religiösen Orientierung
ihrer Familien, lieben die Vorweihnachtszeit mit ihren Lichtern, leckeren
Süßigkeiten, Geheimnissen und einer gespannten Erwartung.

Für viele Eltern ist diese Zeit eine Herausforderung: Geschenke planen, besonders viele Termine, Verwandtenbesuche, aufgeregte Kinder.

Wie kann es klappen, mit Kindern entspannt den Dezember zu erleben?

Für Kinder ist die Vorfreude auf das Weihnachtsfest genauso wertvoll wie der
Weihnachtsabend selber. Rituale helfen uns, in kleinen Schritten dem 24.12.
entgegenzugehen:

Am Adventskranz wird zunächst erst eine Kerze entzündet. Auch die weihnachtliche Dekoration kann langsam wachsen, da ein kleiner Stern, dort ein Windlicht und ein paar vergoldete Nüsse.

Ihre Kinder lieben es sicher, auch selber wundervolle Weihachtsterne zu entwerfen,
Rentiere zu bauen, Karten zu gestalten und ihrer Kreativität freien Lauf zu
lassen. Die Wohnung wird geschmückt und die Kinder erleben Selbstwirksamkeit.
Ganz nebenbei schulen sie ihre Feinmotorik und Konzentrationsfähigkeit.

Der Adventskalender verkürzt die Zeit des Wartens und schafft Vorfreude mit
kleinen Überraschungen. Das kann aber nur gelingen, wenn hinter den
Türchen wirklich nur Kleinigkeiten versteckt sind. Andernfalls wird ein Kind bis

Weihnachten möglicherweise geschenkemüde und gelangweilt. Das würde uns Erwachsenen auch nicht anders gehen. Jeden Tag unser Lieblingsmenü
serviert zu bekommen, würde auch uns bald jede Freude daran nehmen!

Geschichten

Der Winter und die Weihnachtszeit sind reich an Märchen und Geschichten. Die Schneekönigin, das Mädchen mit den Zündhölzern, Sterntaler, Oliver Twist und viele andere Erzählungen spielen in der dunklen Jahreszeit. Geschichten vorzulesen erfordert wenig Vorbereitung und hilft Kindern Ruhe zu finden und die Fantasie anzuregen. Märchen sagt Gerald Hüther „Stellen ein Zaubermittel dar, das ihr Kind stillsitzen und aufmerksam zuhören lässt, das gleichzeitig seine Fantasie beflügelt und seinen Sprachschatz erweitert, das es darüber hinaus auch noch befähigt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Gefühle zu teilen, das gleichzeitig auch noch sein Vertrauen stärkt und es mit Mut und Zuversicht in die Zukunft schauen lässt".

Vorwort Märchen für die Seele, Königsfurt Urania Verlag 2012von Prof. Dr. Gerald Hüther 

Weihnachtsmärkte

Weihnachtsmärkte sprießen wie Pilze aus dem Boden. In Heidelberg finden Sie vom Bismarckplatz über die Hauptstrasse bis hin zum Uni- und Rathausplatz unzählige, schöne (und auch weniger schöne) Stände mit Lichtern, Glitzer und Musik. Der Ehrgeiz jeden Winkel in kurzer Zeit zu erkunden zehrt sicher an den Nerven von Eltern und Kindern. Vielleicht lohnt es sich eher, an einer der wunderschönen Ecken oder Plätze zu verweilen. Dort können die Kinder Schätze bestaunen, Karussell fahren und gebrannte Mandeln knabbern, ohne von den Reizen überflutet zu werden. 

Nikolaus

Die Nikolausnacht raubt so manchem 6- jährigem (und damit oft auch seinen Eltern) den Schlaf. Stiefel blitzblank putzen, das Zimmer besonders vorzeigbar aufräumen, falls Nikolaus einen Besuch abstattet, hilft oft schon die Spannung in sinnvolle Handlungen zu lenken und den Kopf frei für einen erholsamen Schlaf zu bekommen. Kinder lieben es auch, für andere wichtig zu sein. Ein sehr schönes Ritual hierfür ist es, mit den Kindern zu überlegen, wie denn der Nikolaus und sein Rentier auf der langen Reise durch die Nacht Unterstützung erfahren können.

Die Vorschläge reichen oft von warmen Socken, Wurstbroten, Kissen für eine kleine Pause bis hin zu einem schnellen Hubschrauber, der die Reise leichter machen würde. 

Adventshaus2         

Geschenke

Die Vorfreude der Kleinen und die Geschenkeberge der Großen wachsen langsam immer weiter an.

Viele Eltern sind heute nicht mehr mit der Frage beschäftigt, wie sie die Geschenke finanzieren sollen, sondern eher damit, wie sie der Flut Einhalt gebieten können.

Hilfreich kann dabei sein Großeltern, Paten, Onkel, Tanten und Freunden einen Rahmen vorzugeben. Ein Großelternpaar kann sich z.B. ein emotionales Geschenk ausdenken, das ihr Enkelkind begeistert, berührt, die Bindung zu Oma und Opa vertieft und einfach Freude macht und ein praktisches Geschenk in Form einer neue Winterjacke, eines Turnbeutels für das Kind aussuchen.

Die praktischen Geschenke müssen nicht alle unter dem Weihnachtsbaum liegen, sie können auch in den kommenden Wochen die Kinder überraschen und erfreuen.

Wenn alles so klappt haben ihre Kinder dann am Weihnachtsabend „nur" vier bis sechs 4 Geschenke auszupacken.

Denn - Sie werden es alle kennen, erst strahlen die Kinderaugen, die ersten Geschenke werden genau betrachtet und ausprobiert. Aber so nach dem 5. Geschenk geht es nur noch ums schnelle Aufreißen, ein gehetzter Blick auf das neue Auto und schnell zum nächsten Glitzerberg. Oft endet die Reizüberflutung damit, dass ein brauner Teddy im hohen Bogen über die Tanne fliegt, da der Stoffhund der Schwerster viel aufregender erscheint.

Beliebt bei Kindern ist es auch, wenn die Bescherung über einen längeren Zeitraum zelebriert wird. Ein Familienmitglied erhält ein Geschenk und alle schauen, was sich unter dem schönen Papier verbirgt, bewundern es und freuen sich ein bisschen mit und würdigen so auch den Schenker.

Bei einer Großfamilie mit vielen Brüdern, Schwestern Cousinen, Tanten, Opas, übersteigt dieser Weg aber vielleicht etwas die Geduld von Kindern - und Erwachsenen.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und ihren Familien eine entspannte, aber auch spannende Weihnachtszeit – und ein fröhliches, heiteres Weihnachtsfest.

Iboja Matheis, Dezember 2014